Die Nationalbank senkt den SNB-Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25%.
Die Zinsänderung gilt ab 21. Juni 2024. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst und oberhalb dieser Limite zu 0,75%. Bei Bedarf ist die Nationalbank ausserdem bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein.
Der zugrundeliegende Inflationsdruck ist gegenüber dem Vorquartal nochmals gesunken. Mit der heutigen Senkung des SNB-Leitzinses kann die Nationalbank die monetären Bedingungen angemessen halten. Die Nationalbank wird die Inflationsentwicklung weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig im Bereich der Preisstabilität bleibt.
Die Inflation ist seit der letzten Lagebeurteilung leicht angestiegen und lag im Mai bei 1,4%. Zu diesem Anstieg haben insbesondere eine höhere Teuerung bei den Mieten, bei den Dienstleistungen im Tourismusbereich und bei den Erdölprodukten beigetragen. Insgesamt wird die aktuelle Inflation in der Schweiz vor allem von der Teuerung der inländischen Dienstleistungen bestimmt.
Unter Berücksichtigung der heutigen Zinssenkung ist die neue bedingte Inflationsprognose ähnlich wie jene im März. In der längeren Frist liegt sie leicht unterhalb der alten Prognose. Dies widerspiegelt etwas geringere Zweitrundeneffekte. Die bedingte Inflationsprognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (vgl. Grafik). Im Jahresdurchschnitt liegt die prognostizierte Inflation bei 1,3% für 2024, 1,1% für 2025 und 1,0% für 2026. Die Prognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 1,25% beträgt. Ohne die heute beschlossene Zinssenkung läge die Prognose tiefer.
Die Weltwirtschaft wuchs im ersten Quartal 2024 solide. Die Inflation entwickelte sich in den vergangenen Monaten mehrheitlich seitwärts und lag in vielen Ländern weiterhin über den Zielwerten der Zentralbanken. Der zugrundeliegende Inflationsdruck kam jedoch weiter leicht zurück. Vor diesem Hintergrund lockerten einzelne Zentralbanken ihre Geldpolitik erstmals nach dem Straffungszyklus der beiden letzten Jahre. Die Geldpolitik bleibt aber in vielen Ländern restriktiv.
Der Inflationsdruck im Ausland dürfte über die nächsten Quartale weiter graduell nachlassen. Gleichzeitig dürfte sich die globale Wirtschaft etwas beleben. Die SNB rechnet aber für die kommenden Quartale mit einem im längerfristigen Vergleich nur moderaten Wachstum der globalen Wirtschaftsaktivität.
Dieses Szenario für die Weltwirtschaft unterliegt nach wie vor bedeutenden Risiken. Die Inflation könnte in einigen Ländern länger erhöht bleiben und deshalb dort eine straffere Geldpolitik erfordern als im Basisszenario erwartet. Ebenso könnte eine erneute Zunahme der geopolitischen Spannungen eine schwächere Entwicklung der Weltwirtschaft zur Folge haben.
In der Schweiz wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im ersten Quartal 2024 moderat. Der Dienstleistungssektor expandierte weiter, während die Wertschöpfung in der Industrie stagnierte. Die Arbeitslosigkeit stieg weiter leicht an. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten waren normal ausgelastet.
In den kommenden Quartalen dürfte sich das moderate Wachstum in der Schweiz fortsetzen. Die SNB erwartet für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von rund 1%. In diesem Umfeld dürfte die Arbeitslosigkeit weiter leicht ansteigen und die Auslastung der Produktionskapazitäten leicht sinken. Mittelfristig sollte sich die Wirtschaftsentwicklung gestützt durch eine etwas stärkere Auslandnachfrage schrittweise verbessern. Für das Jahr 2025 erwartet die SNB gegenwärtig ein Wachstum von rund 1,5%.
Wie für das Ausland unterliegt auch die Prognose für die Schweiz bedeutender Unsicherheit. Das Hauptrisiko stellen Entwicklungen im Ausland dar.
Am Hypothekar- und Immobilienmarkt war die Dynamik über die letzten Quartale schwächer als in den Jahren zuvor. Die Verwundbarkeiten an diesen Märkten bestehen aber nach wie vor.
Quelle: snb.ch