Was erwartet worden war, wurde heute vollzogen. Die SNB erhöht den Leitzins und dies gleich deutlich.
Die Zinsänderung gilt ab 17. Juni 2022. Die Nationalbank passt ausserdem per 1. Juli 2022 den Freibetragsfaktor an, der zur Berechnung der vom Negativzins befreiten Sichtguthaben der Banken bei der SNB dient. Er wird von 30 auf 28 gesenkt. Damit wird sichergestellt, dass die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinsen in Franken nahe am SNB-Leitzins liegen.
Die Inflation erreichte im Mai 2,9% und dürfte zunächst erhöht bleiben. Die neue bedingte Inflationsprognose der SNB beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum −0,25% beträgt. Sie liegt für die nächsten drei Jahre über derjenigen vom März und zwar bei 2,8% für 2022, bei 1,9% für 2023 und bei 1,6% für 2024. Ohne die heutige Zinserhöhung läge die Inflationsprognose deutlich höher.
Das globale Wirtschaftswachstum hat sich jüngst merklich verlangsamt. Einerseits ist diese Abschwächung auf die hohe Inflation zurückzuführen. Sie belastet die Kaufkraft und reduziert so die Nachfrage. Andererseits bremsen die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Unsicherheit sowie die Corona-Lockdowns in China die weltwirtschaftliche Entwicklung.
Die Inflation zog in vielen Ländern seit März nochmals deutlich und breit an. Auch hier spielt der Krieg in der Ukraine eine wesentliche Rolle, indem er viele Rohstoffpreise hat ansteigen lassen. Zusätzlich führten die anhaltenden Lieferkettenprobleme zu weiteren Preiserhöhungen bei verschiedenen Waren.
Die SNB geht in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft davon aus, dass die Energiepreise vorerst hoch bleiben, dass es aber in den grossen Wirtschaftsräumen nicht zu einer akuten Energieknappheit kommt. Damit sollte sich die positive Konjunkturentwicklung insgesamt fortsetzen. Die Inflation dürfte infolge der gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel und der Lieferengpässe noch einige Zeit hoch bleiben. Mittelfristig sollten diese Faktoren aber an Bedeutung verlieren. Auch unter dem Einfluss der vielerorts zunehmend strafferen Geldpolitik dürfte die Inflation allmählich wieder auf moderatere Niveaus zurückkehren.
Dieses Szenario für die Weltwirtschaft unterliegt bedeutenden Risiken. So könnte die Inflation weiter steigen und damit die realen Einkommen und die Konsumnachfrage noch stärker belasten. Gleichzeitig könnte sich die hohe Inflation über vermehrte Zweitrundeneffekte verfestigen und stärkere geldpolitische Reaktionen im Ausland erfordern. Schliesslich gehen vom Krieg in der Ukraine und der Pandemie weiterhin wichtige Abwärtsrisiken für das Wachstum aus.
In der Schweiz hat sich die seit Jahresbeginn günstige Wirtschaftsentwicklung fortgesetzt. Nach einem bescheidenen Wachstum im vierten Quartal 2021 nahm das BIP im ersten Quartal dieses Jahres um knapp 2% zu. Für das laufende Quartal bleiben die Signale positiv. Auch am Arbeitsmarkt verbesserte sich die Lage weiter. Der Krieg in der Ukraine hat die Wirtschaftsaktivität in der Schweiz bisher vergleichsweise wenig beeinträchtigt. Am deutlichsten spürbar sind die Folgen bei den gestiegenen Energiepreisen und bei den Lieferengpässen. Die Nationalbank rechnet für dieses Jahr unverändert mit einem BIP-Wachstum von rund 2,5%. Die Arbeitslosigkeit dürfte niedrig bleiben. Die günstige Prognose beruht unter anderem auf der Annahme, dass die Weltwirtschaft weiterwächst und dass der Krieg in der Ukraine nicht weiter eskaliert.
Wie für das Ausland unterliegt auch die Prognose für die Schweiz grossen Risiken. Eine Beeinträchtigung der Energieversorgung in Europa könnte die Schweizer Wirtschaft empfindlich treffen. Auch die globalen Lieferengpässe und weitere Preiserhöhungen bei den Rohstoffen könnten das Wachstum bremsen. Darüber hinaus kann auch ein erneutes Aufflackern der Corona-Pandemie nicht ausgeschlossen werden.
Die Hypothekarkredite und Wohnliegenschaftspreise sind in den letzten Quartalen weiter angestiegen. Die Nationalbank wird die Entwicklung auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin genau beobachten.
Quelle: snb.ch
Gut zu wissen
Die Schweizerische Nationalbank steht nicht gleich unter Druck wie die US Notenbank oder Europäische Nationalbank. So notiert die Inflation in der Schweiz mit 3% klar tiefer als diejenige in Europa (8%) oder Übersee (fast 9%). Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank ihre Geldpolitik weniger ausgeprägt anpassen wird. Dies gilt auch für die Leitzinskorrektur, welche höhere Hypothekarzinsen impliziert. Unser Tipp: Hypothekarnehmern raten wir von übereilten Kreditabschlüssen ab. Wir empfehlen gezielte Kreditausschreibungen und die Nutzung von Marktchancen. Marktchancen sind gerade in dieser turbulenten Zeit zu genüge vorhanden.