Die Nationalbank strafft die Geldpolitik weiter und erhöht den SNB-Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75%. Damit wirkt sie dem mittelfristig abermals gestiegenen Inflationsdruck entgegen.

Es ist nicht auszuschliessen, dass zusätzliche Zinserhöhungen nötig sein werden, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten. Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, ist die Nationalbank zudem weiterhin bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu sein. Im gegenwärtigen Umfeld stehen dabei Devisenverkäufe im Vordergrund.

Die Zinsänderung gilt ab morgen, 23. Juni 2023. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins von 1,75% verzinst. Guthaben oberhalb dieser Limite werden zu 1,25% verzinst. Damit gilt für solche Sichtguthaben weiterhin ein Zinsabschlag von 0,5 Prozentpunkten relativ zum SNB-Leitzins.

Die Inflation ist über die letzten Monate deutlich zurückgekommen und lag im Mai bei 2,2%. Dieser Rückgang war vor allem auf eine geringere Teuerung bei importierten Waren zurückzuführen, insbesondere auf Preisrückgänge bei Erdölprodukten und Erdgas.

Die neue bedingte Inflationsprognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 1,75% beträgt. Bis Ende 2023 liegt die neue Prognose unterhalb derjenigen vom März. Kurzfristig dämpfend wirken die tieferen Erdöl- und Gaspreise und der stärkere Franken. Ab 2024 liegt die neue Prognose trotz der heutigen Anhebung des SNB-Leitzinses höher als noch im März. Gründe dafür sind anhaltende Zweitrundeneffekte, höhere Strompreise und Mieten sowie der persistentere Inflationsdruck aus dem Ausland. Gemäss neuer Prognose beträgt die Inflation nun im Jahresdurchschnitt 2,2% für 2023 und 2024 und 2,1% für 2025. Ohne die heutige Zinserhöhung wäre die Inflationsprognose in der mittleren Frist noch höher.

Die Industrieländer verzeichneten im ersten Quartal 2023 ein verhaltenes Wirtschaftswachstum. Die Inflation bildete sich zwar in vielen Ländern erneut zurück, sie liegt aber nach wie vor deutlich über den Zielwerten der Zentralbanken. Vor allem die erhöhte Kerninflation erweist sich als hartnäckig. Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche Zentralbanken ihre Geldpolitik weiter gestrafft, wenn auch etwas langsamer als in den Vorquartalen.

Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft über die kommenden Quartale bleiben verhalten. Gleichzeitig dürfte die Inflation global vorläufig erhöht bleiben. Mittelfristig sollte sie aber wieder auf moderatere Niveaus zurückkehren, nicht zuletzt dank der restriktiveren Geldpolitik und wegen der konjunkturellen Abkühlung. Dieses Szenario für die Weltwirtschaft unterliegt nach wie vor grossen Risiken. Insbesondere könnte die hohe Inflation in einigen Ländern persistenter ausfallen als erwartet. Ebenso könnte sich die Energiesituation in Europa im kommenden Winterhalbjahr wieder verschärfen.

In der Schweiz wuchs das BIP im ersten Quartal 2023 solide. Der Dienstleistungssektor gewann an Schwung, und auch die Wertschöpfung in der Industrie stieg leicht an. Der Arbeitsmarkt blieb robust, und die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten waren bis zuletzt gut ausgelastet.

Für den weiteren Jahresverlauf rechnet die Nationalbank aber mit einem bescheidenen Wachstum. Dämpfend wirken die verhaltene Nachfrage aus dem Ausland, die teuerungsbedingten Kaufkraftverluste und die restriktiveren Finanzierungsbedingungen. Insgesamt dürfte das BIP dieses Jahr um rund 1% wachsen. Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Umfeld vermutlich leicht ansteigen, und die Auslastung der Produktionskapazitäten dürfte etwas zurückgehen.

Wie für das Ausland unterliegt auch die Prognose für die Schweiz grosser Unsicherheit. Hauptrisiko ist eine ausgeprägtere konjunkturelle Abschwächung im Ausland.

Am Immobilienmarkt hat sich das Preiswachstum bei den Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen über die letzten Quartale verlangsamt, während die Preise für Mehrfamilienhäuser zurückgegangen sind. Das Wachstum der Hypotheken blieb weitgehend unverändert. Die Verwundbarkeiten am Hypothekar- und Immobilienmarkt bleiben bestehen.

Quelle: snb.ch

Unsere Prognose

Wir gehen davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank den Leitzins bis anfangs 2024 um weitere 0.25% anhebt. SARON-Hypotheken dürften daher nochmals teurer werden. Danach erwarten wir eine Phase der Konsolidierung mit sich seitwärts bewegenden Hypothekarzinsen. Die Zinssätze für Festzinshypotheken haben vorerst ihr Niveau erreicht. Hier erwarten wir eine Seitwärtsbewegung mit Ausschlägen von +/- 0.25%. In zwei bis drei Jahren dürften Zinssätze für SARON- und Festzinshypotheken sinken. Dabei erwarten wir ein Abwärtspotential von bis zu 0.5%.

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