Angesichts rasant steigender Preise ebnet die EZB zwei Wochen nach Ausbruch des Ukraine-Krieges den Weg für eine Zinswende.
Die Europäische Zentralbank signalisierte am 10. März 2022, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe schneller zurückzufahren und im dritten Quartal ganz auslaufen zu lassen. Das Ende der Käufe stehe allerdings unter der Bedingung, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht auch nach dem Auslaufen der Anleihenkäufe wie von den Währungshütern erwartet entwickelt.
Das Anleihenprogramm APP wird schneller zurückgefahren als bislang geplant. Es soll im April ein monatliches Volumen an Zukäufen von 40 Milliarden Euro haben, im Mai dann auf 30 Milliarden und im Juni auf 20 Milliarden Euro eingedampft werden. Ursprünglich sollte diese Summe erst ab Oktober erreicht werden. Zugleich werden die Anleihenzukäufe im Rahmen des Pandemie-Notprogramms PEPP zum Ende des Monats wie geplant gestoppt.
Zinswende erst 2023?
Der EZB-Rat verschaffte sich zudem mit Blick auf eine Zinswende mehr Spielraum: Sie werde "einige Zeit" nach dem Ende der Anleihen-Zukäufe vollzogen, teilten die Währungshüter mit. Bislang hatten sie signalisiert, dass sie "kurz" nach dem Aus für die Bondkäufe kommen würde.
Zugleich strich der EZB-Rat auch eine Passage aus dem Text, die auch die Möglichkeit niedrigerer Zinsen vorsah. Den Schlüsselzins beliessen die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde nun auf dem Rekordtief von 0%. Zugleich müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser sogenannte Einlagesatz liegt weiterhin bei minus 0,5%.
Die EZB hält die Tür zugleich für eine Erhöhung offen und steht bereit, "alle seine Instrumente" bei Bedarf anzupassen. Damit will die Europäische Nationalbank sicherstellen, dass sich die Inflation mittelfristig bei dem Zielwert von 2% stabilisiert. Zuletzt war die Teuerung mit 5,8% aber weit darüber hinausgeschossen. Die russische Invasion in der Ukraine bezeichnete der Rat als "Wendepunkt für Europa". Die EZB werde alles tun, um Preis- und Finanzstabilität zu sichern.
Quelle: cash.ch