Angesichts der Rekordinflation ebnet die Europäische Zentralbank (EZB) den Weg für die erste Leitzinserhöhung. Es handelt sich um die erste Anpassung seit März 2016.
Ausgestattet mit neuen Prognosen, die einen schnelleren Preisanstieg in der Eurozone signalisieren als bisher angenommen, sowie einer schwächeren Erholung von der Pandemie, will die Notenbank die Nettokäufe im Rahmen des 2015 begonnenen Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) zum 1. Juli einstellen.
Der Einlagensatz - derzeit minus 0,5 Prozent - soll im nächsten Monat um einen Viertelpunkt angehoben werden, und im September erneut um diesen Betrag oder mehr, falls die Inflation eine härtere Gangart rechtfertigt.
Mehr als 60 andere Zentralbanken in der Welt haben die Leitzinsen in diesem Jahr bereits erhöht. Die Inflation im Euroraum ist im Mai auf 8,1 Prozent gestiegen und liegt damit bei mehr als dem Vierfachen des EZB-Ziels.
EZB erwartet nun höhere Inflation
Die Teuerungsprognosen wurden angehoben. Die EZB-Volkswirte gehen nun von einer jährlichen Inflationsrate von 6,8 Prozent im Jahr 2022 aus, bevor sie auf 3,5 Prozent im Jahr 2023 und 2,1 Prozent im Jahr 2024 schrumpfen soll. Der Wachstumsausblick indessen wurden deutlich gesenkt: Bei der Wirtschaftskraft des Euroraums rechnen die Notenbankökonomen real mit Wachstumsraten von 2,8 Prozent 2022, 2,1 Prozent 2023 und ebenfalls 2,1 Prozent 2024.
In dieser Woche haben die Prognosen der Weltbank und der OECD die Befürchtungen einer Stagflation verstärkt. Der Krieg in der Ukraine treibt die Energiekosten in die Höhe und schwächt die Zuversicht. Auch Lieferkettenprobleme belasten die Wirtschaft. Obgleich der Höhepunkt der globalen Inflation überschritten sein könnte, sagt Barclays für den Euroraum eine leichte Rezession voraus.
Von Bloomberg befragte Volkswirte sind weniger pessimistisch, doch rechnen auch sie damit, dass die EZB ihre Prognosen für die nächsten beiden Jahre deutlich senken wird.
Quelle: cash.ch