Im Kampf gegen die Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen das zehnte Mal in Serie angehoben.
Die Euro-Wächter um Notenbankchefin Christine Lagarde beschlossen am 14. September 2023 auf ihrer ersten Zinssitzung nach der Sommerpause, die Schlüsselsätze um 0,25% zu erhöhen. Bis vor wenigen Tagen war eine Mehrheit der Ökonomen davon ausgegangen, dass die EZB die Zinsen unverändert lassen würde.
Der am Finanzmarkt massgebliche Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, klettert damit von 3,75% auf 4,00%. Das ist das höchste Niveau seit dem Start der Währungsunion 1999. Der Leitzins steigt von 4,25% auf 4,50%. «Bei der Festlegung der angemessenen Höhe und Dauer des restriktiven Niveaus wird der EZB-Rat auch künftig einen datengestützten Ansatz verfolgen», teilten die Währungshüter weiter mit.
Die Teuerung in der 20-Länder-Gemeinschaft ist zwar von den Höchstständen im vergangenen Jahr deutlich zurückgewichen. Mit einem Wert von 5,3% im August liegt sie aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der Notenbank von 2,0%, das sie als optimales Niveau für den Euroraum mittelfristig anpeilt.
Auf der anderen Seite müssen die Währungshüter auch aufpassen, dass sie mit ihrem Zinserhöhungsstakkato die ohnehin schon schwächelnden Wirtschaftsaktivitäten im Euroraum nicht vollständig zum Erliegen bringen.
In den USA steht die nächste Zinsentscheidung am 20. September an. Dort hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen seit Anfang 2022 aggressiv von nahe null auf eine Spanne von inzwischen 5,25% bis 5,50% nach oben gesetzt, um die Inflation zu dämpfen und den heiss gelaufenen Arbeitsmarkt abzukühlen. Experten zufolge liefern die zuletzt gestiegene Arbeitslosenquote und der abebbende Boom am Jobmarkt den US-Währungshütern um Fed-Chef Jerome Powell Argumente für eine Zinspause.
Die EZB hat zudem ihre Konjunkturprognosen für die Währungsunion angepasst. Nunmehr erwarten deren Volkswirte für 2024 eine Teuerungsrate von durchschnittlich 3,2%, nachdem sie im Juni noch mit 3,0% gerechnet hatten. Für das laufende Jahr rechnen sie mit einem Anstieg der Verbraucherpreise auf 5,6% (Juni: 5,4%). Für 2025 erwarten die Notenbank-Ökonomen dann einen Rückgang auf 2,1% (Juni: 2,2%). Damit würde die Teuerungsrate aber noch immer oberhalb der Zielmarke von 2,0% liegen, die die EZB mittelfristig als optimales Niveau anpeilt. «Die Inflation geht weiter zurück, dürfte aber noch zu lange zu hoch bleiben», fasste die EZB ihre neuen Prognose zusammen.
Ihre Wachstumsprognosen für dieses und das folgende Jahr setzten die EZB-Volkswirte nach unten. Sie erwarten nun für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum von 0,7% (Juni: 0,9%). Für 2024 gehen sie jetzt von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 1,0% (Juni: 1,5%) aus. Für 2025 rechnen sie mit einem Wachstum von 1,5% (Juni: 1,6%). Begründet wurden die pessimistischeren Einschätzungen mit den Folgen der Zinserhöhungen auf die Binnennachfrage, während sich zugleich das internationale Umfeld für den Aussenhandel eingetrübt habe.
Die Euro-Notenbank veröffentlicht vier Mal im Jahr Konjunktur- und Inflationsprognosen ihrer Volkswirte. Für die geldpolitischen Entscheidungen der Euro-Wächter sind sie stets ein wichtiger Faktor. Die EZB hatte zuvor ihren Leitzins zum zehnten Mal in Folge angehoben - auch angesichts der höher als bislang erwarteten Inflation im kommenden Jahr. Zugleich signalisierte sie, das Zinsniveau vorerst nicht weiter anzutasten.
Quelle: cash.ch