Kreditnehmer können frei entscheiden, welche Finanzierung sie für die Immobilie wählen. Unsere Erfahrung zeigt, wieso es doch nicht ganz so ist.
Wenn der Bank- oder Finanzierungsberater fragt, wie wir die Hypothek abschliessen wollen, fällt es uns schwer, sofort eine Antwort zu geben. So bringen uns die Produktevielfalt und die Kombinationsmöglichkeiten an unsere Grenzen. Aber nicht nur das. So wird die Entscheidung von verschiedenen äusseren Einflüssen tangiert.
Absolute Kredithöhe: Viele Immobilienbesitzer tun sich schwer damit, Schulden in mehreren Hunderttausend oder Millionen Franken aufzunehmen. Daran ändert sich nicht viel, auch wenn die Belehnung (Verhältnis zwischen der Schuld und dem Immobilienwert) moderat ist. So liegt es in unserem Naturell keine oder möglichst wenig Schulden haben zu wollen. Der Gedanke, (viele) Schulden zu haben, beeinflusst unser Verhalten stark und führt dazu, dass wir die Hypothek konservativer abschliessen, als wir es uns wünschten.
Abhängigkeiten: Unser Kreditabschluss ist sportlicher geprägt, wenn es sich um den eigenen Kredit handelt. Vorsichtiger sind wir dann, wenn wir als Finanzchef einer Immobiliengesellschaft oder Vorstand einer Baugenossenschaft Kredite abschliessen.
Wer höher verschuldet ist oder nicht für sich selbst entscheidet, ist sicherheitsbewusster und schliesst den Immobilienkredit konservativer ab.
Ertragsstruktur und Ausfallrisiko: Eine stabile und nachhaltige, möglichst diversifizierte Ertragsstruktur mit kleinem Ausfallrisiko bringt uns dazu, sportlicher zu finanzieren. Verstärkt wir die Sportlichkeit, wenn die Kreditkosten einen kleinen Teil des Mietertrages oder Haushaltseinkommens ausmachen.
Negative Kreditklauseln: Es ist üblich, dass Kreditgeber negative Kreditklauseln in den Kreditvertrag einbauen. So darf beispielsweise die Gesamtverschuldung einen gewissen Grad nicht übersteigen. Oder es werden Anforderungen an das Mindesteigenkapital gestellt. Auch hier versucht der Kreditnehmer Sicherheit zu gewinnen, indem er die Kreditrestriktionen mit einer konservativen Kreditpolitik abdämpft.
Zusammengefasst gilt, dass die Entscheidungsfreiheit beim Kreditabschluss eingeschränkter ist, als wir uns zugestehen. Tendenziell gilt, dass Hypothekarnehmer bei tiefer Verschuldung und sicheren Einkommens- und Ertragsströmen risikofreudiger sind. Wer höher verschuldet ist oder nicht für sich selbst entscheidet, ist sicherheitsbewusster und schliesst den Immobilienkredit konservativer ab.
Wer auf die richtige Strategie gesetzt hat, stellt sich immer erst im Nachhinein heraus. So liegt die Herausforderung beim Hypothekenabschluss darin, zu entscheiden ohne genau zu wissen, was die Zukunft bringt. Dies unter Berücksichtigung aller Ausseneinflüsse und Abhängigkeiten. Gut also, wenn der Entscheid nicht alleine gefällt werden muss und von Finanzierungsspezialisten nicht nur begleitet, sondern auch gestützt wird.
